Samstag, 30. Juni 2018

Dauer in der Vergänglichkeit



DAUER IN DER VERGÄNGLICHKEIT



Einar Schlereth


Dickflockig der Schnee
- Ende März -
Geht vorüber wie der vom vorigen Jahr,
der ein Millennium währen sollt.

Verlockend das Bild
trügerisch doch
wie die Wolken
- den Bauch voll Schnee -
im Vorfrühling.

Noch würgt die Schuld,
noch sind alle Morde ungesühnt,
noch ist das Land zerrissen,
noch sind die Toten ohne Ruhe.

Da bleckt die Nacht erneut die Zähne,
kräht nach KZ und folter,
fordern Männer mit Erfahrung
unverhüllt zum Morden auf.

Sieh hin, er ist noch immer da
der Schnee vom vorigen Jahr.



Hamburg im Mai 1977


Ein paar Gedächtnisstützen:

Leserbrief aus der Frankfurter Rundschau vom 31. März 1977 zu Grohnde, wo Hunderttausende gegen das Atomkraftwerk friedlich demonstrierten:
"Ich weiß aus Erfahrung, dass dies das beste Mittel gewesen wäre; nach der ersten Salve im Hochanschlag, der noch einmal  zum Beweis der Ernsthaftigkeit eine zweite Salve folgen würde, hätten die Polizeibeamten nur noch die Rücken der Demonstranten und deren schnelle Beine gesehen."
Einige Monate zuvor hatte ein führenden CDU-Politiker Niedersachsens die Folter unter Umständen für angebracht gehalten. Und der Probst Asmussen  aus Heide predigte den Rassismus - ohne folgen. Kurz danach lobte Hessens CDU-Chef Dregger das Schah-Regime in höchsten Tönen. Und Schmidt und Genscher griffen dee Suharto-Mörderclique in Indonesien mit U-Boot-Lieferungen unter die Arme, um "deutsche Arbeitsplätze zu sichern".


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